Neujahrsbotschaft 2012

Neujahrsbotschaft 2012 enthaltend Informationen zu folgenden Themen:

–          Neuerungen bei der Direkten Bundessteuer/Kanton Zürich
–          BVG; Fristen bei Bezügen beachten
–          Straflose Selbstanzeige
–          Willensvollstrecker-Honorare
–          Erbschaftssteuer
–          Immobiliensachenrecht
–          Wohlfahrtsstiftungen; AHV-Pflicht auf Ermessensleistungen
–          Wohlfahrtsstiftungen; Bildung Arbeitgeber-Beitragsreserve aus freiem Stiftungskapital
–          Rechnungslegungsgesetz

Neujahrsbotschaft im pdf-Format


Neujahrsbotschaft 2012

Würth Treuhand AG, Zürich

Neuerungen bei der Besteuerung von natürlichen Personen ab

Steuerperiode 2011

Direkte Bundessteuer

Der Kinderabzug wird von CHF 6’100 auf CHF 6’400 erhöht. Zusätzlich wird vom geschuldeten Steuerbetrag pro Kind CHF 250 in Abzug gebracht.

Neu wird ein Kinderbetreuungsabzug von max. CHF 10’000 pro Kind gewährt, sofern das 14. Altersjahr noch nicht vollendet ist. Der Abzug ist unter Punkt 16.5 in der Steuererklärung zu erfassen.

Für getrennt lebende Eltern ist im Einzelfall zu prüfen, welchem Elternteil welche Abzüge zustehen.

Beiträge und Zuwendungen an politische Parteien bis max. CHF 10’000 können in Abzug gebracht werden.

Diverse übrige Abzüge wurden der Teuerung angepasst.

Kanton Zürich

Die obenerwähnten Änderungen für die Bundessteuer haben keinen Einfluss auf die Abzüge für die Staats- und Gemeindesteuern. Im Kanton Zürich gelten die bisherigen Abzüge unverändert weiter.

BVG – Fristen bei Bezügen von 2. und 3. Säule beachten

Gemäss Art. 3 BVV3, Absatz 1 dürfen Altersleistungen der 3. Säule frühestens 5 Jahre vor dem ordentlichen Rentenalter der AHV ausgerichtet werden. Absatz 3 desselben Artikels besagt, dass unter anderem in folgenden Fällen die Altersleistungen vorher ausgerichtet werden dürfen:

–       Erwerb und Erstellung von Wohneigentum zum Eigenbedarf
–       Beteiligung am Wohneigentum zum Eigenbedarf
–       Rückzahlung von Hypothekardarlehen

Bei oben erwähnten vorzeitigen Auszahlungen ist jedoch die zeitliche Beschränkung gemäss Absatz 4 des Art. 3 BVV3 zu beachten. Eine entsprechende Ausrichtung ist demnach nur alle fünf Jahre möglich. Eine analoge Bestimmung betreffend Ausrichtung nur alle fünf Jahre gilt auch für Bezüge aus der 2. Säule (Art. 5, Abs. 3 WEFV). Beide Fristen werden separat gerechnet. Es ist also möglich, zum Beispiel im Jahr 2012 einen Bezug aus der 2. Säule zu tätigen und im Folgejahr 2013 einen Bezug aus der 3. Säule. Nicht möglich ist es, aus der 3. Säule je einen Bezug im Jahr 2012 und einen Bezug im Jahr 2013 zu tätigen, auch wenn mehrere 3. Säule-Konti vorhanden sind. Trotz dieser Einschränkung ist es sinnvoll, mehrere 3. Säule-Konti zu führen, da ab Alter 60 ein gestaffelter Bezug möglich ist und durch Bezug in verschiedenen Jahren der progressiv gestaltete Tarif gebrochen werden kann. Bei der 2. Säule ist ein gestaffelter Bezug ab 60  für Erwerb bzw. Rückzahlung von selbstbewohntem Eigentum nicht möglich.

Straflose Selbstanzeige; wenn Anzeige, dann alles!

Die straflose Selbstanzeige wird gemäss den Steuerbehörden nach wie vor rege benützt. Insbesondere in Erbfällen empfehlen wir, falls bisher nicht deklarierte Vermögensteile des Erblassers vorhanden sind, eine vollständige Nachdeklaration vorzunehmen, da einerseits die Steuerfolgen erträglich sind und andererseits die Ausgangslage für die Erben deutlich angenehmer wird. Zu beachten ist, dass jedem Steuerpflichtigen die straflose Selbstanzeige nur einmal im Leben zugestanden wird. Bei der Selbstanzeige müssen alle bisher nicht deklarierten Werte angegeben werden. Es ist deshalb nicht sinnvoll, zum Beispiel ein bisher nicht deklariertes Sparheft mit dem Hinweis (bisher nicht deklariert) plötzlich aufzuführen und allenfalls weitere nicht deklarierte Werte zu verschweigen. Die straflose Selbstanzeige wäre mit der ersten Deklaration bereits verwirkt. Eine weitere Selbstanzeige könnte nicht mehr ohne strafrechtliche Konsequenzen abgewickelt werden.

Willensvollstrecker-Honorare

Zu der in der Öffentlichkeit in letzter Zeit geführten Diskussion über die Höhe von Willensvollstrecker-Honoraren geben wir folgende Hinweise: Gemäss Art. 517, Abs. 3 ZGB hat der eingesetzte Willensvollstrecker einen Anspruch auf angemessene Vergütung für seine Tätigkeit. In der Vergangenheit war es teilweise üblich, das Honorar in % der Erbsumme einzusetzen. 1 bis 3 Prozent waren durchaus gängige Praxis. Das Bundesgericht hat 2004 dieser Praxis einen Riegel geschoben. Gemäss Entscheid darf demnach nur noch die effektiv geleistete Arbeit verrechnet werden. Der Zeitaufwand muss dabei genau und nachvollziehbar belegt werden. Die Willensvollstrecker müssen die Erben laufend über ihre Tätigkeit  und die anfallenden Kosten informieren. So können die Erben ihrerseits schnell reagieren, wenn sie mit den geltend gemachten Kosten des Willensvollstreckers nicht einverstanden sind. Wir haben in unserem Büro bei den bisher abgewickelten Willensvollstrecker-Mandaten stets eine transparente Rechnungsstellung praktiziert und dadurch immer ein gutes Einvernehmen mit den Erben gepflegt.

Planung ab 2012 im Hinblick auf eine mögliche zukünftige Erbschaftssteuer

Zur Zeit werden Unterschriften für eine Initiative zur Einführung einer nationalen Erbschaftssteuer gesammelt. Sofern diese Initiative zu Stande kommt, und in der Volksabstimmung angenommen wird, rechnen wir mit der Inkraftsetzung ab 2016 oder 2017.

Die Initiative sieht eine Besteuerung von 20 % auf Nachlässen über CHF 2.0 Mio. vor. Schenkungen, welche nach dem 1.1.2012 erfolgen, werden einem zukünftigen Nachlass hinzugezählt und unterliegen dann der zukünftigen Erbschaftssteuer, sofern die Freigrenzen von CHF 2.0 Mio. pro Nachlass überschritten werden

Was bleibt weiterhin steuerfrei:

–       Nachlässe unter CHF 2.0 Mio. (Bei Ehepaaren, pro Nachlass CHF 2.0 Mio.)
–       Schenkungen von CHF 20’000 pro Jahr z.B. an Kinder
–       Schenkungen zwischen Ehepartnern

Planungsmöglichkeiten für Ehepaare:

Bei Ehepaaren besteht bei Versterben jedes Ehepartners eine Freigrenze von CHF 2.0 Mio.  Es ergibt sich somit ein gesamter Steuerfreibetrag von max. CHF 4.0 Mio. bei Ehepaaren.  Bestehende Testamente, Eheverträge, Erbverträge sind dahingehend zu optimieren, dass wenn möglich die maximale Freigrenze von je CHF 2.0 Mio. pro Nachlass genutzt werden kann. Bei neuen Verträgen ist ebenfalls diesem Umstand Rechnung zu tragen. Schenkungen zwischen Ehepartnern sind allenfalls vorzunehmen. Diese Massnahmen können jederzeit vorgenommen werden.

Neues Immobiliensachenrecht per 1.1.2012

Der Bundesrat hat die Teilrevision des Immobiliensachenrechts auf den 1. Januar 2012 in Kraft gesetzt.

Neuerungen Grundpfandrechte:

Neu ist es möglich, einen papierlosen Register-Schuldbrief auszustellen. Der bisherige Papier-Schuldbrief bleibt parallel dazu weiter bestehen. Der Schuldner / Gläubiger kann neu wählen, welche Art von Schuldbrief ausgestellt werden soll (Art. 793 Abs. 1 ZGB).

Die Umwandlung von bisherigen Papier-Schuldbriefen in einen Register-Schuldbrief erfolgt durch den Gläubiger mit einem schriftlichen Gesuch an das zuständige Grundbuchamt (Art. 33b SchlT ZGB).

Die Gült als Pfandrechtsart wird aufgehoben (Art. 33a Abs. 1 SchlT ZGB).

Die Ankündigungsfrist für die Kraftloserklärung von Schuldbriefen wird von einem Jahr auf sechs Monate verkürzt (Art. 865 Abs. 2 ZGB).

Die bisherige Frist zur Eintragung eines Bauhandwerkerpfandrechts im Grundbuch wird von 3 auf 4 Monate verlängert (Art. 839 Abs. 2 ZGB) (wir verweisen dazu auf unsere Ausführungen in unserer Neujahrsbotschaft 2011).
Neuerungen Dienstbarkeiten

Alle Rechtsgeschäfte zur Errichtung einer Grunddienstbarkeit bedürfen zu deren Gültigkeit der öffentlichen Beurkundung (Art. 732 Abs. 1 ZGB). In allen Fällen ist nach wie vor der Eintrag ins Grundbuch notwendig.