Neujahrsbotschaft 2014

Neujahrsbotschaft 2014 enthaltend Informationen zu folgenden Themen:

– Aktuelle Informationen zu Steuerthemen
– Neuerungen bei der Grundstückgewinnsteuer
– Sperrfrist Einkauf 2. Säule
– Neue Regelung für Kinderabzüge
– Neue Regelung für Ergänzungsleistungen bei vorgängiger Schenkung

Neujahrsbotschaft im pdf-Format

Natürliche Personen

Grundstückgewinnsteuern

Aufschub bei Ersatzbeschaffung

Wenn ein Grundeigentümer eine selbstbewohnte Liegenschaft verkauft und den daraus erzielten Erlös wiederum in eine selbstbewohnte Liegenschaft investiert, wird eine dann allenfalls geschuldete Grundstückgewinnsteuer im Umfang der Reinvestition aufgeschoben (sogenannte Ersatzbeschaffung).

Folgende Punkte sind bei der Ersatzbeschaffung zu beachten:

Dauernd selbstbewohnte Liegenschaft

Sowohl bei der veräusserten Liegenschaft wie auch der ersatzbeschafften Liegenschaft muss es sich um eine dauernd selbstbewohnte Liegenschaft handeln (Hauptsteuer-Wohnsitz). Nicht möglich ist der Steueraufschub beim Verkauf einer Ferienwohnung oder einer reinen Kapitalanlageliegenschaft. Der Aufschub wird auch nicht gewährt, wenn die zunächst selbstbewohnte Liegenschaft vor dem Verkauf an einen Dritten vermietet wird, selbst wenn diese Vermietung nur wenige Monate dauert. Der Aufschub entfällt ebenfalls, sobald die neu erworbene Liegenschaft an einen Dritten vermietet wird.

Ebenfalls problematisch ist der erneute Verkauf einer ersatzbeschafften Liegenschaft (Kaskadenverkauf) innerhalb kurzer Frist. Erfolgt der Verkauf innerhalb von 5 Jahren, besteht das Risiko, dass der Aufschub der Grundstückgewinnsteuer nicht mehr gewährt wird (Spekulations-Absicht, keine Absicht einer dauerhaften Bewohnung der Liegenschaft). Das Zürcher Verwaltungsgericht hat allerdings im Urteil vom 14.3.12 festgehalten, dass nur bei Rechtsmissbrauch eine Aufhebung des Steueraufschubs bei kurzer Besitzdauer (unter 5 Jahren) angewendet werden soll. Möglich wäre dies, wenn bereits beim Kauf der ersten ersatzbeschafften Liegenschaft deren Wiederverkauf geplant war.

Fristen Ersatzbeschaffung, Verjährung der nachträglichen Veranlagung

Es gibt keine gesetzliche Frist, innerhalb derer die Ersatzbeschaffung erfolgen muss. Die Praxis der Steuerbehörden geht allgemein von 2 Jahren aus. Auch die Voraus-Ersatzbeschaffung ist dabei möglich. Längere Fristen sind möglich, sofern der Steuerpflichtige nachweist, dass er die Verzögerung nicht beeinflussen konnte.

Das Recht zur nachträglichen Veranlagung des Steueraufschubs ist nicht in allen Kantonen gleich geregelt. Der Kanton Zürich kennt eine Beschränkung auf 20 Jahre nach der Veräusserung des Ersatzgrundstückes. Einige Kantone kennen keine zeitliche Beschränkung.

Ersatzbeschaffung Interkantonal

Auch über Kantonsgrenzen ist die Ersatzbeschaffung möglich. Welcher Kanton besteuert wieviel, wenn die ersatzbeschaffte Liegenschaft veräussert wird? Aktuell wendet die Mehrheit der Kantone die sogenannte „Zerlegungsmethode“ an, d.h. die im Wegzugskanton aufgeschobene Steuer wird vom Wegzugskanton erhoben, die allenfalls zusätzliche Steuer vom Zuzugskanton. Das Bundesgericht hat in seinem Urteil vom 19.12.2012 (2C_337/2012) allerdings festgehalten, dass das alleinige Besteuerungsrecht des aufgeschobenen Steuersubstrats dem Zuzugskanton zusteht. Die Kantone wenden allerdings bis heute diesen Bundesgerichtsentscheid nicht an. Es wird wohl ein weiterer Bundesgerichtsentscheid nötig werden, um die Sache endgültig zu klären.

–> Bei jeder Ersatzbeschaffung sollten die möglichen Steuerfolgen abgeklärt werden.

Sperrfrist Einkauf BVG 2. Säule

Sofern in der 2. Säule BVG Vorsorgelücken bestehen, können diese durch einen Einkauf gedeckt werden. Die Vorsorgelücke ist durch die jeweilige Pensionskasse zu berechnen. Diese Einkäufe in die 2. Säule sind steuerlich abzugsfähig. Werden diese Einkäufe weniger als 3 Jahre vor der Pensionierung getätigt, ist nur noch ein Rentenbezug möglich. Ein Kapitalbezug ist in diesem Fall nicht mehr möglich.

Sollte trotzdem zum Zeitpunkt der Pensionierung ein Kapitalbezug erfolgen (auch nur Teilbezug), wird die seinerzeitige Einkaufssumme rückwirkend nicht mehr als Abzug akzeptiert und  zusammen mit dem übrigen Einkommen zum ordentlichen Tarif besteuert.

Kinderabzüge neu auch für über 25-jährige Kinder

Im Kanton Zürich können neu ab Steuerjahr 2013 für minderjährige Kinder und volljährige Kinder, die in der beruflichen Erstausbildung stehen und deren Unterhalt die Steuerpflichtigen zur Hauptsache bestreiten, CHF 9‘000 abgezogen werden.

Gesuche um Ergänzungsleistungen im Zusammenhang mit vorgängig erfolgten Schenkungen

Bei Gesuchen für Ergänzungsleistungen werden Schenkungen, welche der Gesuchsteller vorgängig an seine Nachkommen ausgerichtet hat, entsprechend berücksichtigt, als ob die Schenkungen nicht erfolgt wären. Pro Jahr wird eine „Amortisation“ von CHF 10‘000 der Schenkung in Abzug gebracht. Alle Schenkungen an Nachkommen werden berücksichtigt. Es gibt keine Verjährungsfrist.

Vorzeitige Schenkungen sind vor allem dann nicht zu empfehlen, wenn einerseits nicht grosse Vermögen vorhanden sind oder andererseits mehrere Nachkommen zur Unterstützung der Eltern herangezogen werden können. Es könnte nämlich durchaus der Fall eintreten, bei denen vorzeitige Schenkungen an mehrere Nachkommen erfolgten, die Nachkommen aber zum Zeitpunkt der notwendigen Unterstützung der Eltern über diese Schenkungen nicht mehr verfügen (zum Beispiel wurde die Schenkung bereits an die Enkel weitergegeben oder zum Einkauf in die 2. Säule verwendet). Derjenige Nachkomme, der dann noch über genügend Mittel verfügt oder sich auch sonst in guten Vermögens- und Einkommensverhältnissen befindet, wird dann zur Unterstützung der Eltern herangezogen. Dies kann zu bösem Blut und ungleichmässiger Belastung der Nachkommen führen.

–> Vor einer vorzeitigen Schenkung an Nachkommen ist die Gesamt-Situation unbedingt zu prüfen.

Juristische Personen, Personen-Unternehmungen

Neues Rechnungslegungsrecht

Steuerliche Auswirkungen

Das neue Rechnungslegungsgesetz ist vom Bundesrat per 1. Januar 2013 definitiv in Kraft gesetzt worden. Ab 2015 sind die Einzelabschlüsse zwingend nach neuem Recht zu erstellen. Konzernrechnungen sind ab 2016 nach neuem Recht zu erstellen.

Was sind die steuerlichen Auswirkungen des neuen Rechnungslegungsrechts?

Massgeblichkeit der Handelsbilanz

Das Steuerrecht richtet sich nach wie vor nach der Massgeblichkeit des Handelsrechts. Nur der Aufwand, welcher auch verbucht ist, wird grundsätzlich steuerrechtlich akzeptiert.

Wertberichtigungen

Die Pauschalen Wertberichtigungen auf Delkredere und Warenlager werden weiterhin toleriert. Weitere Wertberichtigungen/Rückstellungen werden toleriert, sofern diese geschäftsmässig begründet sind.

Abschreibungen

Nur verbuchte Abschreibungen werden akzeptiert. Die bisherigen Abschreibungskonzepte (Einmalabschreibung, lineare, progressive und degressive Abschreibung) werden weiterhin zugelassen. Im Übrigen gelten die Abschreibungssätze gemäss Merkblatt A 1995 der Eidg. Steuerverwaltung. Andere Abschreibungssätze müssen einzeln begründet werden.

Schwankungsreserve

Die Bildung von Wertschwankungsreserven ist im Rahmen der handelsrechtlichen Zulässigkeit für bewertete Aktiven zum Börsen- oder Marktkurs möglich.

Zusätzliche Abschreibungen und Wertberichtigungen (Willkürreserven) Art. 960a OR

Die nach Art. 960a Abs. 4 OR für die Sicherung des dauernden Gedeihens des Unternehmens handelsrechtlich zulässigen zusätzlichen Abschreibungen und Wertberichtigungen stellen, mit Ausnahme der Einmalabschreibung, keinen geschäftsmässig begründeten Aufwand nach Art. 58 DBG dar und sind somit steuerlich nicht zugelassen.

Aktivierungspflicht von Vermögenswerten

Nach Art. 959 Abs. 2 OR müssen neu Vermögenswerte als Aktiven bilanziert werden, wenn aufgrund vergangener Ereignisse über sie verfügt werden kann, ein Mittelzufluss wahrscheinlich ist und ihr Wert verlässlich geschätzt werden kann. Als Konsequenz daraus besteht neu ein handelsrechtliches Verbot von verdeckten Kapitaleinlagen.

Inskünftig sind auch „nicht fakturierte Dienstleistungen“ zu bilanzieren (Art. 959a Abs. 1 OR). Steuerrechtlich ist dies nicht völlig neu, da es schon bisher möglich war, solche Leistungen zu aktivieren. Allerdings besteht nun diesbezüglich eine Aktivierungspflicht.

Gründungs-, Kapitalerhöhungs- und Organisationskosten

Nach Art. 959 Abs. 2 OR dürfen diese Kosten nicht mehr aktiviert werden. Das Steuerrecht akzeptiert die entsprechenden Kosten als steuerlich begründete Aufwendungen.

Verbindlichkeiten und Rückstellungen

Verbindlichkeiten müssen nach Art. 960e OR zum Nominalwert eingesetzt werden. Dies gilt auch für das Steuerrecht weiterhin. Soweit vergangene Ereignisse einen Mittelabfluss in künftigen Geschäftsjahren erwarten lassen, müssen die erforderlichen Rückstellungen zulasten der Erfolgsrechnung gebildet werden, was auch das Steuerrecht akzeptiert. Weiter sind Rückstellungen für regelmässig anfallende Aufwendungen (Garantieverpflichtungen, Sanierungen von Sachanlagen, Restrukturierungen) weiterhin möglich.

Nicht mehr begründete Rückstellungen müssen nicht aufgelöst werden.

Obwohl nach Handelsrecht die nicht mehr begründeten Rückstellungen nicht aufgelöst werden müssen, wird die Steuerverwaltung im konkreten Fall die geschäftsmässige Begründetheit dieser Rückstellungen überprüfen, und diese gegebenenfalls in der Steuerbilanz erfolgswirksam auflösen und besteuern.

Eigene Aktien (Art. 959a Abs. 2 OR)

Die eigenen Aktien sind neu als Minusposten im Eigenkapital auszuweisen. Steuerlich ändert nichts. Handelsrechtlich verbuchte Kursverluste auf eigenen Aktien gelten steuerlich als geschäftsmässig begründeter Aufwand. Kursgewinne sind im Zeitpunkt der handelsrechtlichen Verbuchung steuerbar.

Verzugszins-Regelung bei Verrechnungssteuern auf Dividenden

Die gemäss Generalversammlung beschlossenen Dividenden sind in der Regel 30 Tage nach Durchführung der Generalversammlung fällig. Die Verrechnungssteuer auf den Dividenden ist alsdann innerhalb weiterer 30 Tage nach Fälligkeit von der Unternehmung der Eidgenössischen Steuerverwaltung ohne weitere Aufforderung zu überweisen. Im Konzernverhältnis kann auf die Ablieferung der Verrechnungssteuer durch Meldung verzichtet werden. Die entsprechende Meldung ist aber auf jeden Fall innerhalb der 30 Tage nach Fälligkeit der Eidgenössischen Steuerverwaltung zuzustellen (empfehlenswert mit eingeschriebener Post). Erfolgt keine Meldung oder verspätete Meldung, wird von der Eidg. Steuerverwaltung ein Verzugszins ab Fälligkeitstag bis zur Entdeckung der fehlenden Meldung in Rechnung gestellt!

ð Bitte Meldung nicht vergessen.

Neue Mehrwertsteuernummer

Ab dem 1. Januar 2014 ist nur noch die neue 9 stellige MWST-Nummer wie folgt zu verwenden:  CHE- … … … MWST

–> Die Rechnungsformulare sind entsprechend anzupassen.

Quellensteuer

Neue Tarife

Die Quellensteuertarifbezeichnungen wurden auf den 1. Januar 2014 völlig neu gestaltet. Alle Kantone verwenden nun für den entsprechenden Familienstand die gleichen Tarifbezeichnungen. Bisher wurden die Tarife A bis D und G verwendet. Neu wurden Tarife von A bis P geschaffen. Für den Kanton Zürich bleiben die wichtigsten Tarife A (Alleinstehende) und B (Verheiratete) unverändert. Das gesamte Umstufungsschema für den Kanton Zürich finden Sie hier.

Wer ist quellensteuerpflichtig?

Folgende Personen unterliegen in der Schweiz der Quellensteuer:

  • Personen, die in der Schweiz wohnen und weder die Niederlassungsbewilligung C haben noch mit einer Person verheiratet sind, welche die Niederlassungsbewilligung C oder das Schweizer Bürgerrecht besitzen;
  • Personen, die im Ausland wohnen und als Grenzgänger bzw. als Wochenaufenthalter in der Schweiz bzw. im Kanton Zürich erwerbstätig sind (ungeachtet ihrer Staatsangehörigkeit);
  • Personen, die im Ausland wohnen und als Arbeitnehmende im internationalen Verkehr für eine Unternehmung mit Sitz in der Schweiz bzw. im Kanton tätig sind.

Welche Leistungen unterliegen der Quellensteuer?

Der Quellensteuerpflicht unterliegen die Bruttoeinkünfte aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit sowie die Ersatzeinkünfte für vorübergehend eingeschränkte oder unterbrochene Erwerbstätigkeiten (z.B. Taggelder der Arbeitslosenversicherung, Krankenversicherung, Invalidenversicherung, Unfallversicherung sowie Invaliditätsrenten der Invaliden- oder Unfallversicherung etc).

Wann können Quellensteuern durch den Arbeitnehmer zurückgefordert bzw. korrigiert werden?

Folgende Aufwendungen können Anlass für eine Quellensteuerrückerstattung sein:

– Schuldzinsen (Konsumkredit)

– Weiterbildungskosten

– Krankheits- und Unfallkosten

– Behinderungsbedingte Kosten

– Unterhaltsbeiträge, Alimentenzahlungen

– Beiträge an anerkannte Formen der gebundenen Selbstvorsorge (Säule 3a)

– Einkäufe fehlender Beitragsjahre in die Pensionskasse (2. Säule)

– Kosten des internationalen Wochenaufenthalts

– Ausserordentliche Fahrkosten (über CHF 2’100 pro Jahr)

– Kinderbetreuungskosten

– Unterstützungsabzug

– Gemeinnützige Zuwendungen, Spenden

– zur Vermeidung einer internationalen Doppelbesteuerung

Der Antrag um Korrekturberechnung muss mit dem entsprechenden Antragsformular bis Ende März des Folgejahres (gilt für Kanton Zürich) geltend gemacht werden.

Würth Treuhand AG

U. Ritschard     P. Nesti